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Arys – ein paar Blicke zurück
Der Film "Arys - Ein paar Blicke zurück" zeigt folgende Personen in Bild und Ton: Der Film "550 Jahre Arys" zeigt folgende Personen in Bild und Ton:
Arys - 550 Jahre alt
Aus allen Ländern der Bundesrepublik und sogar aus den USA waren insgesamt 210 heimattreue Aryser nach Bad Pyrmont gekommen. Auch zwei Frauen aus dem jetzigen Arys waren der Einladung gefolgt: Hildegard Schulz und Hedwig Jastrzebska überbrachten Grüße der Heimat und die des Deutschen Vereins „ROSCH" aus Johannisburg, dem inzwischen 47 „bundesrepublikanische” Aryser als Fördermitglieder angehören. Zum Auftakt der dreitägigen Geburtstagsfeier wurde die neue Bilderausstellung von Gerhard Bosk im Foyer des Pyrmonter Rathauses eröffnet. Angesichts der schönen Landschaftsaufnahmen aus dem Naturparadies Masuren unter dem Motto „Kein schöner Land in dieser Zeit”, betonte der Hausherr, Stadtdirektor Klaus Henning Demuth, daß Heimatverbundenheit in unserer Zeit besonders wichtig sei. Zu dem von den Pyrmonter Schloßsängern musikalisch begleiteten Festakt im vollbesetzten Saal des Hotels Quellenhof begrüßte im Namen der Aryser Ulrich Haffke die Gäste: Kreisvertreter Gerhard Wippich, seinen Stellvertreter Gerhard Bosk sowie Herbert Wallner als Mitautor des Videofilms über Arys, dessen Ehefrau Ellen, die langjährige Kassenverwalterin der Kreisgemeinschaft; von der gastgebenden Stadt den 2. Bürgermeister Lutz Habenicht, von der LO den stellvertretenden Vorsitzenden der Landesgruppe Niedersachsen Dr. Dembowski und vom Ostverband des BdV den Vorsitzenden Günter Jahn. Bürgermeister Lutz Habenicht erwähnte in seinem Grußwort, daß die Pflege der verschiedenen Kulturen im heutigen Europa der Regionen einen hohen Stellenwert einnehme, um ein gedeihliches Nebeneinander zu ermöglichen. Dr. Dembowski gab dem Stolz auf eine mehr als ein halbes Jahrtausend alte deutsche Kulturarbeit in Ostpreußen Ausdruck, bedauerte aber zugleich die zunehmend nachlassende Unterstützung der Landsmannschaften und der dazugehörigen Organisationen durch Bundesregierung und Länderregierungen, worunter die Arbeit der Heimatgemeinschaften zu leiden drohe. Das demokratisch legitimierte Mittel zur Durchsetzung unserer Forderungen sei der Stimmzettel, führte Dr. Dembowski aus. „Wir müssen die Kandidaten fragen, wie sie es mit unserer Heimat halten, und nach deren Antwort unsere Stimme abgeben.” Dr. Dembowski sprach von der Wichtigkeit der Unterstützung unserer Landsleute in der Heimat, um deren Not zu lindern, und dem Erfordernis, durch intensive Kontakte dazu beizutragen, daß diese Menschen ihre eigene Identität finden und bewahren können.
Die Festrede hielt Kreisvertreter Gerhard Wippich, der zuvor an Herbert Wallner und Ulrich Haffke die Silbernen Ehrenzeichen der Landsmannschaft überreicht hatte. Von der aufmerksamen Zuhörerschaft machte der Redner die bedrückende Tatsache deutlich, daß es uns Ostdeutschen versagt sei, die Jubiläen unserer historischen Stätten in der angestammten Heimat zu begehen. „Dieses Problem”, so führte Gerhard Wippich aus, „löst man nicht dadurch, daß man den Namen des Fleckchens Erde zwischen Memel und Oder auf den Teil der Bundesrepublik zwischen Oder und Elbe verlegt. Bedenkt man dabei nicht, daß man damit unsere Heimat ins Ausland verlegt, wie es manch eifriger Standesbeamter zu glauben bereit ist?" Und weiter an die Adresse der Geschichtemacher unserer Tage: „Wo aber ist Mitteldeutschland mit der Wiege unserer Sprache geblieben?” Der Kreisvertreter zeichnete sodann ein Bild des politischen Europa, in dem als schwerwiegendste Folge nach dem I. Weltkrieg die Diktaturen Stalins und Hitlers, mit Spielarten auch in anderen Ländern, entstanden sind. Die Weltgemeinschaft habe den Bruderkrieg mit anschließendem Völkermord in Rußland nicht verhindert und durch anfängliches Hofieren Hitlers sogar die Bösartigkeit seines Systems für viele vernebelt, was schließlich in der Perversion von Rassenhaß und Extremismus zur Unterjochung der Völker Europas und zu den Mordmaschinerien in den KZ's führte. Nach dem Krieg leugneten die Siegermächte Katyn und Nemmersdorf: die Dramen im Baltikum, an der Wolga, an der Drau, im Kaukasus hätten sie nicht gesehen, wie sie auch die Qualen und den Mord an Hunderttausenden im Osten unseres Vaterlandes als unvermeidbare Kriegsfolge verniedlicht hätten. Schließlich habe man mit Mördern gleicher Qualität an Konferenztischen gesessen und unsere kleine Welt als Kriegsbeute verteilt, der Vertreibung aller Habe beraubter Millionen Menschen zugestimmt. Das Wort „ethnische Säuberung” sei noch nicht erfunden gewesen; es sollte uns aber einholen. Wer da glaube, das Rad der Geschichte wäre über diese Geschehnisse längst hinweggerollt, die Vertriebenen doch längst eingegliedert, die Mehrzahl der Menschen der betroffenen Generation inzwischen verstorben, der solle bedenken, daß gerade die täglichen Ereignisse in der Welt und in unserer unmittelbaren Nähe „die Herausforderung für die Erinnerung der nicht aufgearbeiteten Vergangenheit sind.” Selbst die Untaten im Zusammenhang mit dem II. Weltkrieg hätten ein Umdenken in den Hirnen der Menschen nicht auszulösen vermocht. In aller Welt ist der Gewalt abzuschwören, wo sie zum Mittel für die Durchsetzung von gegebenen oder vermeintlichen Rechten mißbraucht werde", führte Gerhard Wippich aus und verwies auf die CHARTA DER VERTREIBENEN, in der dem Recht und nicht der Gewalt die Mittlerrolle zu Frieden und Ausgleich zugeschrieben wurde. „Solange dies nicht vernommen werde, sollten wir als lebendes Mahnmal agieren!” Im Hinblick auf die Gewalttätigkeit der rechten und linken Politszene in unserem Lande forderte Gerhard Wippich unter dem Beifall der Zuhörer radikalere Maßnahmen des Staates dagegen, die, schnell „verabreicht”, auch wirksamer seien. „Auch den liberalen, sozialen und christlichen Denkern sollte einfallen, daß es wirksamere Mittel gibt...” Zu den Bemühungen der UNO zur Verhinderung der mörderischen Auseinandersetzungen in und zwischen den Völkern meinte der Redner: „Wenn aber die Völkergemeinschaft der Machtmittel bedarf, können wir uns nicht auf Bequemplätzen ausruhen. Gerade wegen der Verstrickung Deutschlands im letzten Kriege fallen uns friedensstiftende Aufgaben zu, gemeinsam mit unseren früheren Gegnern. Wir sollten aus der von Deutschen ausgeübten, aber auch an Deutschen begangenen Gewalt mehr gelernt haben!” Der Kreisvertreter schilderte auch seine Erfahrungen und Erkenntnisse aus einer mit G. Bosk unternommenen Reise in den Heimatkreis und schnitt dabei die Verträge mit Polen an. Wir hätten diese zwar als wirksam zu betrachten; sie seien aber weder inhaltlich noch formell befriedigend. Es sei doch schmerzlich, festzustellen, daß den Vertriebenen weder das international geltende Recht auf Selbstbestimmung gewährt wurde noch eine Anhörung. Er erwähnte auch die mühsamen Schritte des Deutschen Vereins im Heimatkreis und die von der Kreisgemeinschaft geleisteten Hilfsmaßnahmen, sprach von der jahrzehntelangen kulturellen Unterdrückung unserer Landsleute, die sich besonders in der Anwendung unserer Muttersprache zeige: „Wer aber sollte es den Menschen verdenken, daß sie in der Zeit der Not das Verbot deutsch zu sprechen, nicht mißachtet haben?” Vieles müsse noch getan werden, wenngleich einiges schon erreicht worden sei. Für den kulturellen Bereich erwähnte der Redner die von Klaus Beyer initiierte Ausstellung „Menschen unterwegs, das Beispiel Ostpreußen”, die nach Memel und Königsberg im letzten Jahr auch in Johannisburg gezeigt wurde und viel Beachtung gefunden habe. Gerhard Wippich zeigte auf, welche Austauschmaßnahmen des Patenkreises mit dem Heimatkreis anstehen, die Wege der Verständigung seien, wenn beide Seiten Gebende und Nehmende seien. Behördliche Amtsträger in unserem Heimatkreis bekundeten durchaus ihre Bereitschaft zu sinnvoller Zusammenarbeit, kämpften jedoch mit Widerständen in den eigenen Behörden. So sei es noch ein weiter Weg bis zu dem Zeitpunkt, daß die Heimat das Gefühl vermittele, für uns nicht fremd zu sein. Es falle schwer, zu erleben, daß sogar bis in die jüngste Zeit die Existenz der dort lebenden deutschen Minderheit geleugnet wurde. Ostpreußen sei stets ein Hort religiöser und nationaler Toleranz gewesen, in dem sich nationnale Minderheiten nicht zu Gegensätzen auswuchsen; vielmehr bereicherten sie diese Gemeinschaft, und ihr Vorbild wirkte völkerverbindend, bis sie Opfer der sich selbst zerfleischenden Welt wurden. Unter großem Beifall schloß Gerhard Wippich: „Wir aber geben die Hoffnung nicht auf, daß Grenzen zwischen Völkern zu überwinden sind. Allein deshalb darf man von uns nicht verlangen, willkürliche, gewaltsame Grenzen für anerkennenswert zu halten... In Treue wollen wir beharren. Wir werden uns weiter in Geduld üben. UNSERE HEIMAT IST ES UNS WERT!” Ein weiterer Höhepunkt der Jubiläumsfeier war die Uraufführung des von Ulrich Haffke und Herbert Wallner geschaffenen Videofilms „Arys — ein paar Blicke zurück auf ein Heimatstädtchen in Masuren.” Nach spontanem Beifall waren die ersten 100 Kassetten "im Nu" vergriffen und zahlreiche Nachbestellungen aufgegeben. Inzwischen haben auch Nicht-Aryser, darunter ehemalige Soldaten, die die Stadt durch den Truppenübungsplatz kennengelernt haben, ihr Interesse bekundet und die Kassette bestellt. Lebhaftes Interesse fanden ebenso zwei kleine Schriften, die die Aryser Gemeinschaft zum Stadtjubiläum herausgegeben hat: „Die Stadtwerdung von Arys” – eine wissenschaftliche Abhandlung von Oberarchivar Dr. Bernhart Jähnig vom Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin-Dahlem. Dem Autor sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt. Die Abhandlung erscheint auch in der „Neuen Folge der Altpreußischen Geschlechterkunde–Blätter des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen” unter Vorsitz von Dr. Reinhold Heling, früher Arys, jetzt Hamburg. Die zweite Schrift ist ein Sonderdruck der „Seufzerbrücke – Heimatgrüße der Gemeinschaft Arys Stadt und Land”. Dieses Heft wurde vom „Master of Art” Walter Plata, früher Arys, jetzt Hildesheim, in schöner Fraktur gestaltet und von Achim und Ursula Weide – letzte geb. Kaminski, früher Arys – in Langenhagen gedruckt. Der Inhalt erzählt vieles aus der Historie der Heimatstadt. Die große Geburtstagsfeier bestand aber nicht nur aus ernsten, besinnlichen Stunden, wenn auch die Erinnerungen an die Heimat so manches Herz tief bewegte. Die Abende der gemeinsamen Tage waren dem fröhlichen Miteinander vorbehalten, mit Lesungen, Rezitationen, kleinen Sketchen voll echten, ostpreußischen Mutterwitzes, echten heimatlichen Humors, vorgetragen mit der unverkennbar aus Masuren stammenden Zunge von den Aryser Marjellchens Agi (Agnes) Neumann, geb. Eilf (u. a. mit: Ein Picknick auf der Wisocki-Insel) und Ruth Strehl, geb. Gollik, die die Zwerchfelle der Geburtstagsgesellschaft arg strapazierten. Man war sich einig: Ein gelungenes Fest, das nur durch die heimatliche Atmosphäre auf der Festwiese vor dem Kurhaus Budda am schönen Arys-See übertroffen worden wäre. Der abschließende Tanzabend „Wie einst in Budda" wurde durch Vorführungen des Trachten-Tranzkreises Bad Pyrmont unter Frau Margot Hammer eingeleitet. Auch diesen Akteuren herzlichen Dank!
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