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Der Landkreis
Sensburg / Ostpreußen
Die zwischen dem Talter Gewässer und dein Nikolaiker (Spirding) See gelegene Stadt Nikolaiken ist aus drei Dörfern entstanden, aus dem 1444 erstmalig erwähnten Nickelsdorf (nach dem Schutzheiligen der Kirche benannt), dem Ort Koniec und dem Dorf Koslau, das auf der westlichen Seite des Talter Gewässers lag. Der Verkehr zwischen dem Ost- und Westufer vollzog sich durch Kähne, seit 1516 durch eine Holzbrücke. Damals waren die drei Orte bereits zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. Die 1535 erwähnte Kirche wurde 1686/1688 und dann 1840/1842 durch einen Neubau ersetzt; der Turm entstand 1880. Unter dem Altargerät ist ein Kelch aus dem 16. Jahrhundert bemerkenswert. Die Bewohner des Kirchdorfes trieben Fischfang, Ackerbau und Leinenweberei. König Friedrich Wilhelm I. erhob das Dorf 1726 zur Stadt. Von wirtschaftlicher Bedeutung für sie war der 1764/1765 fertiggestellte Kanal, der den Spirdingsee mit dem Mauersee verband; er diente bis 1789 der Holzflößerei. Während des Pestjahrs 1910 starben 900 Menschen an der Seuche. 1729 und 1833 wurde die Stadt von Bränden heimgesucht. Trotz der von 1770 bis 1809 bestehenden Garnison blieb die Stadt unbedeutend. Sie entwickelte sich erst im 19. Jahrhundert, als sie Dampferverbindung nach Johannisburg, Lötzen und Angerburg und Anschluß an die Eisenbahnstrecke nach Sensburg und Lyck (1911) erhielt. Die günstige Lage in der Nähe mehrerer Seen und Wasserstraßen machte Nikolaiken zu einem beachtlichen Fremdenverkehrsort, was der Stadt wirtschaftliche Vorteile verschaffte. An der Nikolaiker Brücke ist das Wahrzeichen der Stadt, der „Stinthengst", ein großer, in Holz nachgebildeter Fisch, angekettet. Er soll der Sage nach den Fischreichtum der masurischen Seen sichern. Als Spezialität gelten die wohlschmeckenden Maränen, die hier besonders reichlich gefangen und geräuchert werden. 1937 hatte die Stadt 2.727 Einwohner. Am 25. Januar 1945 drangen die Russen aus der Richtung Arys in den Kreis Sensburg ein und besetzten am folgenden Tage die Stadt Nikolaiken. In ihr wurde am 11. März 1700 der Professor Cölestin Kowalewski (+ Königsberg 1771) geboren; er vermachte seine stattliche Büchersammlung der akademischen Bibliothek in Königsberg und stiftete ein Stipendium für Studierende. Nördlich Nikolaiken, unweit des Junosees, liegt das Kirchdorf Seehesten mit der Ruine einer Ordensburg. Sie ist um 1330 als Wild- und Wachthaus errichtet worden; sie wurde von den Litauern zerstört, um 1367 in Stein und mit einer Vorburg neu erbaut. Sie trotzte dem Angriff Kynstuts 1371 und überstand auch die kriegerischen Vorgänge nach der Schlacht bei Tannenberg. Sie blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erhalten. In der Ordenszeit wurde sie von Pflegern verwaltet, von 1525-1751 saßen in ihr Amtshauptleute, die das bedeutende Amt Seehesten verwalteten. Neben dem Ordenshause hatte sich eine Siedlung aus Arbeitern und Handwerkern gebildet, die 1401 von dem Balgaer Komtur Ulrich von Jungingen eine Handfeste als Zinsdorf erhielt. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde das Kirchdorf als „Freiheit Seehesten" bezeichnet. Die Ordenskirche brannte 1619 ab; das neue Gotteshaus wurde bis 1639 in Feldstein erbaut und 1937/1939 restauriert. Der Ort verlor an Bedeutung, als das nahe Sensburg 1818 Kreisstadt wurde. 1939 hatte das Kirchdorf 493 Einwohner und vier über 100 ha große Landwirtschaftsbetriebe. Westlich Sensburg breiten sich bis zum Gehland- und Sorquitter See die Ländereien des 4.602 ha großen Ritterguts Sorquitten aus. Im 19. Jahrhundert hatte es bedeutende Kalkbrennereien. Die Waldungen umfassen 2.130 ha, die Seen 735 ha. Zu dem Gut gehören die Vorwerke Salucken, Neblisch, Joachimshuben, Lasken, Stamm und Milucken, dazu das Rittergut Heinrichshöfen mit dem Vorwerk Radowen. Als das Herrenhaus im Kriege zerstört war, ließ Freiherr von Paleske 1922/1923 einen Neubau in den alten neugotischen Formen des früheren Hauses aufrichten. In Sorquitten wurde am 3. Mai 1750 der Begründer der Pepiniere (militärärztlichen Bildungsstätte) in Berlin, Johann Goerke, geboren (+ Sanssouci 1822) Am Gehlandsee, der mit seinen malerischen Uferhängen und bewaldeten Inseln ein prächtiges Bild bietet, bestand in Alt Gehland seit 1890 eine Korbflechtschule, in der arme Krüppel und Blinde im Korbflechten ausgebildet wurden. Das dafür benötigte Material wurde in eigenen Weidenkulturen am See gewonnen. Das im Nordzipfel des Kreises gelegene 880 ha große Gut Eichmedien hat ein bemerkenswertes Herrenhaus; es ist ein Bau aus der Ordenszeit mit Wall, Mauer und Tor und zweigeschossigen Kellern. Von ihnen sollen unterirdische Gänge nach Rastenburg und nach Rhein führen. Das Gut betrieb in den letzten 50 Jahren eine intensive Landwirtschaft, baute Zuckerrüben und Raps an und hatte eine bedeutende Schaf-, Rindvieh- und Warmblutzucht. Allgemein bekannt ist Eichmedien durch die Sage von der betrügerischen Krugwirtsfrau, die der Teufel geholt hat.
Das westlich der Pfeilswalder Forst gelegene,
1448 als Beutnerdorf gegründete Peitschendorf trieb eine lebhafte Holzindustrie.
Das südwestlich von ihm gelegene Aweyden ist bereits 1397 als Beutnerdorf
entstanden. Die 1437 erwähnte Kirche wurde 1600/1603 neuerbaut und 1933/1934
restauriert. Der hölzerne Oberbau des Turms wurde 1687 errichtet. Unweit des
Kirchdorfes Ukta liegen zwischen dem Mauersee und dem
Beldahnsee die Niederlassungen der Philipponen, Hauptort ist Eckertsdorf. Sie bilden eine
Sekte der griechisch-katholischen Kirche und gehören zur Partei der Starowiercy
oder Altgläubigen. Da ihre Vorfahren in Rußland vielfachen Verfolgungen
ausgesetzt waren, wanderten sie nach Preußen aus, das sie auf Grund einer
Kabinettsorder von 1825 aufnahm und in der
Johannisburger Heide auf unkultiviertem Land ansiedelte. Sie gründeten zwölf
Dörfer, wo sie ihrem Bekenntnis und ihrem Brauchtum gemäß lebten. Ihre Häuser
sind einfache Bohlenbauten mit Badehäuschen. Die um 1840 erbaute Kirche in
Eckertsdorf, ein schlichter Holzbau mit eigentümlichem Glockenstuhl, wurde
nach einem Brande 1921 durch einen Neubau ersetzt. Auf einer
Ein besonderes Kleinod des Kreises innerhalb der Johannisburger Heide ist der Krutinnenfluß; er ist von Waldbäumen umfaßt und von ihnen auf einer weiten Strecke fast überdacht; sein Wasser ist so klar, daß man die Fische und den Grund des Flusses beobachten kann. Er mündet in den idyllisch gelegenen Gartensee, der durch eine Wasserader und den Schönfließsee mit dem Beldahnsee verbunden ist. Zwischen dem Niedersee und dem Beldahnsee liegt in prächtiger Landschaft das Dorf Niedersee (Rudczanny). Es ist ein beliebtes Ausflugsziel geworden, vor allem Ausgangsort für Wanderungen, Rundfahrten auf dem Niedersee, für Dampferfahrten über den Spirdingsee nach Johannisburg, nach Nikolaiken, Lötzen, Angerburg. In der Försterei Kleinort ostwärts Peitschendorf wurde am 18. Mai 1887 der Schriftsteller Ernst Wiechert geboren (+1950). Seine Romane „Der Wald", „Wälder und Menschen" u. a. lassen den ostpreußischen, masurischen Wald in feinster Weise erleben. Patenschaftsträger für Stadt und Kreis Sensburg ist die Stadt Remscheid.
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