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Festschrift
zur Feier des 500jährigen Bestehens
von Bialla Ostpr.
1428 - 1928 |
Kommunalpolitisches der Stadt Bialla
aus den letzten 25 Jahren
Von
Stadtverordneten-Vorsteher Tetzlaff.
Das 500jährige Ortsjubiläum der Stadt
Bialla ist ihren Bewohnern ein historisch wichtiges Ereignis und bietet
willkommene Gelegenheit, dem gegenwärtigen Geschlecht und den späteren
Generationen einige Bilder der Vergangenheit aus Kultur und Geschichte unseres
Ortes vor Augen zu führen. Während die vorhergehende Abhandlung Schattenrisse
aus der ältesten und älteren Zeit der Jubilarin zeigt, hat der
Verfasser es sich
zur Aufgabe gemacht, das Werden und Wachsen unserer Stadtgemeinde in den
letzten
2 1/2 Jahrzehnten näher zu beleuchten.
I. Das Weichbild der Stadt.
Das Grenzstädtchen ist erst durch den Weltkrieg im weiteren
Vaterlande bekannt und viel genannt worden. Es liegt, obwohl 138,066 m über dem
Meeresspiegel, in einem Tal, so daß man - von Norden und Osten kommend - die
Stadt erst in ihrer unmittelbaren Nähe wahr nimmt. Aus der Vogelperspektive
betrachtet, bietet sie mit ihrer Umgebung einen lieblichen Anblick und zeigt
offensichtlich den Charakter eines Landstädtchens. Jeder Fremde und
Einheimische, der sich nicht scheut, den 38 m hohen städtischen Wasserturm zu
besteigen, ist von ihrem Bild entzückt. Die geraden, breiten Straßen mit ihren
geschlossenen Häuserreihen, die roten Ziegeldächer
inmitten des vielen Grüns,
die nach 6 Richtungen auslaufenden meist schnurgeraden Chausseen und die in
jüngerer und jüngster Zeit entstandenen Siedlungsbauten, die das Stadtbild
gleichsam einrahmen, hinterlassen beim besinnlichen Beschauer einen nachhaltigen
Eindruck.

II. Die Umgebung.
1. Der Stadtpark.
Vor 25 Jahren zeigte Bialla, was seine Umgebung anbetrifft,
ein wesentlich anderes Aussehen als heute. Bis zum Jahre 1903 besaß die Stadt
keinen eigenen Platz, auf dem die Vereine ihre Sommervergnügen
abhalten konnten. Auf Anregung des damals mit großer Umsicht und Tatkraft amtierenden
Bügermeisters Schorlepp (1886-1909) faßten die städtischen Körperschaften den
Beschluß, den früheren Exerzierplatz der in Bialla stationierten
Schwadron
schwarzer Husaren, an der Chaussee nach Drygallen gelegen, anzukaufen und
aufzuforsten. Diente doch dieser Platz in den
letzten Jahren nur zur Entnahme von
Sand und als Weideplatz. 1889 wurde mit der Aufforstung begonnen, nachdem die
Provinz hierzu eine Beihilfe von 300 Mark bewilligt hatte. lm Jahre 1903 kam zum
Stadtpark eine ca. 2 ha große Ackerparzelle hinzu, so daß der Park nunmehr die
Größe von 6,6490 ha hatte. Die Stadt kaufte 1921 von der hies. Kirchengemeinde
ein 7 1/2 ha großes Stück Oedland für den Preis von 3.000 Papiermark,
das gleichfalls zur Vergrößerung des Parkes dienen sollte. Es ist der Verdienst
des derzeitigen Bürgermeisters Dirksen, den Ankauf und die Anforstung dieses
Geländes angeregt und gefördert zu haben. Der vor dem Kriege am
Ort bestehende
Verschönerungs-Verein hatte die erforderlichen Nachpflanzungen ausführen zu
lassen, und für die Ausstattung aller schattigen Plätze mit Tischen und Bänken
Sorge zu tragen. Diesem Verein lag auch die Pflege des mitten
in der Stadt
liegenden Verschönerungsplatzes ob. Dieser Platz ist ebenfalls eine Schöpfung
des oben genannten Bürgermeisters. Er war bis dahin Abladeplatz für Schutt
und Asche, wurde nach seiner Räumung mit Bäumen bepflanzt, von einer Hecke
umgeben, und war ein oft und gern besuchter Spielplatz der Kinder im
vorschulpflichtigen Alter. Vorübergehend diesem Zweck entzogen, soll er
demnächst wieder seiner früheren Bestimmung überlassen
werden.

2. Die Siedlungen.
Eine weitere Aenderung in der Umgebung der Stadt brachte die
1908/1909 erfolgte teilweise Parzellierung des Stadtgutes Eichenthal, das 1 km
entfernt gelegen ist, mit sich. Diese ersten Siedlungsbauten boten anfangs -
Wohnhaus und Stall unter einem Dach - einen fremdartigen Anblick. Heute, von
schönen Obstgärten eingeschlossen, umsäumen sie das Stadtbild und geben ihm ein
zeitgemäßes und doch freundliches, friedliches Gepräge. Bald nach dem Kriege
begann auch die Stadt zu siedeln. Auf einem 4 ha großen städtischen Gelände in
unmittelbarer Nähe (Nordwesten) entstand 1924 das erste Siedelungshaus mit 2
Wohnungen, 1925 wurden 2, 1927 wieder 2, 1928 drei Gebäude aufgeführt. Am 1.
Oktober 1928 werden insgesamt 8 Siedlungen mit 28 Wohnungen errichtet sein. Es
sind 2- und 3-Zimmerwohnungen, deren Mietpreis sich monatlich zwischen 25 und 50
Mark bewegt. Die solide praktische Bauart, die Zugehörigkeit geräumiger
Stallungen und die Beigabe eines größeren Stückes Gartenland läßt sie
begehrenswert erscheinen, zumal allen Siedlern die Möglichkeit geboten ist, hier
Obstbau, Geflügel- und Bienenzucht zu betreiben. Alle Wohnungen sind bereits
vergeben. Die Finanzierung und Ausführung der Bauvorhaben lag in Händen der
Ostpr. Heimstätte, Zweigstelle Sensburg. Die Anlage findet ungeteilten Beifall
und gewährt einen Ausblick für die Entwicklungsmöglichkeit der Stadt in
kommenden Zeiten. Hier ist ein neuer Stadtteil im Entstehen begriffen.
Auch die Landgesellschaft hat nach Aufteilung des Stadtgutes
Kurt Leopold 1927 in der Umgebung der Stadt reichlich gesiedelt. Es sind im
ganzen 23 Siedlungsbauen aufgeführt. Der Stadtgemeinde hat sie eine abgeholzte
Waldparzelle in Größe von 20 ha zwecks Aufforstung zum Geschenk gemacht.
III.
Das Stadtinnere.
Die Stadt selbst weist im letzten Vierteljahrhundert kaum
eine Aenderung auf. Die vielen gepflegten Lindenbäume am Markt und in den
Straßen erinnern gleichfalls an Bürgermeister Schorlepp. Der Marktplatz in
unserer Stadt ist seiner Größe wegen (1
1/2 ha) allgemein bekannt. Er sieht zur Sommerszeit einem Weideplatz nicht
unähnlich. Die Verwaltung hat unter Verwendung der verschiedensten Mittel alles
versucht, das frische Grün zum Absterben zu bringen, leider immer vergeblich.
Doch hoffen wir, daß die Zukunft auch dieses schwierige Problem zu lösen
imstande ist. Das Pflaster des Marktes und der Straßen ist im Kriege stark
überlastet worden und befindet sich in einem
verbesserungsbedürftigen Zustande. Durch Einstellung größerer Mittel in den Etat
ist die Stadtverwaltung bemüht, diesem Mißstande abzuhelfen. Die Warnungstafeln
des Allg. Deutschen Automobilklubs vor den Toren mit der Aufschrift:
"Bialla
- Fahrt vorsichtig!" wirkt auf den Fremden wenig einladend, haben aber leider
ihre Berechtigung.
Oeffentliche Bauten: (Das Rathaus).
Mitten auf dem Marktplatz erhebt sich das neue Rathaus
an der Stelle des 1772-1777 erbauten alten. Dieses war ein einstöckiger
Feldsteinbau, in dem neben den Verwaltungsräumen noch 4 Schulklassen
untergebracht waren. Der Fußboden war niedriger als das Straßenniveau, die
Luft in dem Steingemäuer kalt, feucht und ungesund. Das Dach war unverschalt,
die hölzernen Gesimse dem Einsturz nahe. Da faßte die
Stadtverordneten-Versammlung am 14. Juni 1907 den Beschluß, das alte Haus
abzubrechen und ein neues zu errichten. Die Ausführung des Baues wurde dem 1914
in russische Gefangenschaft verschleppten und nicht mehr heimgekehrten Maurer-
und Zimmermeister Karl Fischöder, von hier, übertragen. Die feierliche
Grundsteinlegung des jetzigen Rathauses fand am 13. Okt. 1908 in Gegenwart des
Regierungspräsidenten von Hellmann, Allenstein und vieler geladener Gäste
statt, wobei eine Urkunde mit der Unterschrift aller Festteilnehmer, einige Zeitungen
und ein Taler mit dem Bildnis des früheren Kaiser Wilhelms II.
eingemauert
wurden.

Der Bau wurde 1909 weitergeführt und fand im Spätherbst
desselben Jahres seine Vollendung. Es war dem Vater dieses Baues, dem in der
Stadtgeschichte so oft genannten Bürgermeister Schorlepp, der am 31.3.1909
krankheitshalber in den Ruhestand getreten war, nicht mehr vergönnt, die
Krönung des Werkes zu vollziehen. Die Weihe des Rathauses erfolgte am 15.
Januar 1910 und wurde von seinem Nachfolger Dr. jur. Otto Braun vorgenommen, der
aus Anlaß dieses Aktes seine Festrede hat drucken lassen. Einzelne Exemplare
dieses Schriftchens und ein Verwaltungsbericht haben sich trotz
des Krieges
erhalten und sind ein bleibendes Andenken an unseren "Kriegsbürgermeister". An
dieser Stelle sei dem Verfasser, dessen Arbeiten diesem Bericht
wertvolle Fingerzeige gegeben haben, Dank ausgesprochen. Die Bausumme betrug 67.259,08
Mark, die des Anschlages 65.850,00 Mark.
Das Rathaus enthält im unteren
Stockwerk die Büroräume, die Stadtkasse, die Stadtkassenrendanten-, die
Polizeiwachtmeisterwohnung und das Polizeigefängnis; im oberen Stockwerk die
Dienstwohnung des Bürgermeisters und zwei zu vermietende Wohnungen; im
Dachgeschoß eine Wohnung für die Gemeindeschwestern, eine zu vermietende
Dreizimmerwohnung und zwei Fremdenzimmer. Leider haben sich die
Büroräumlichkeiten für die heutigen Bedürfnisse als unzureichend erwiesen. Die
Stadtverordneten-Versammlung hat keinen geräumigen, würdigen Sitzungssaal. Es ist
daher geplant, nach Räumung des alten städtischen Amtsgerichtsgebäudes den
Schöffensaal als Stadtverordneten-Situngsraum herrichten zu lassen.
Das Amtsgerichtsgebäude.
Nach Fertigstellung des 1927/1928 in der Bahnhofstraße neu
erbauten Justizgebäudes wird das der Stadt gehörige alte frei und steht der
Verwaltung zur Verfügung. Es ist 1879 erbaut und am 1. Oktober desselben Jahres
an den Justizfiskus für das hiesige Amtsgericht vermietet worden. Die Baukosten
betrugen 46.700 Mark, hiervon wurden 36.000 Mark durch Darlehen und der Rest aus
Barvermögen der Stadt gedeckt. An Miete erhielt
diese 1879-1888 = 900 Mark. 1889-1900 = 1.200 Mark, 1900-1902 = 1.500 Mark, seit
dem Jahre 1902 = 1.800 Mark, zuletzt 2.500 Mark. Der alte Amtsgerichtsbau umfaßt:
1 Schöffensaal, 3 Richterzimmer, 6 Zimmer für Gerichtsschreibereien, 1
Kassengewölbe, je ein Warte- und Botenzimmer, 5 Gefangenenzellen, sowie
Wohnungen für den Justizhauptwachtmeister und den Justizoberwachtmeister. Die
freiwerdenden Räume sind in erster Linie für die Belegung durch Behörden
geeignet: ganz besonders wünschenswert wäre es, wenn aus wirtschaftlichen und
dienstlichen Gründen eine Verlegung des Katasteramts II von Johannisburg nach
hierher erfolgen würde, zumal die Justizbehörde auf eine unmittelbare
Zusammenarbeit mit dem Katasteramt angewiesen ist.

Neubauten in der Stadt
(Stadtschule).
Im Kriege ist eine Anzahl von Privathäusern teils
eingeschossen, teils verbrannt worden; andere wiederum sind dem Zahn der Zeit
zum Opfer gefallen und durch zeitgemäße Neubauten ersetzt. Es seien hier erwähnt
die Wohn- und Geschäftshäuser der Bürger: Otto Maschlanka,
jetzt Grigo; Wosczidlo,
jetzt Brosien; Emil Wolff; Lewinski, jetzt Walter Bischoff;
Johann Rattay, Sobolewski, Joswig, Burbiel u. a. m.
Dem Zwange der Verhältnisse nachgebend, hat die Stadt mit
Hilfe staatlicher Zuschüsse auch den Bau der Stadtschule 1903/1904 errichten
lassen. Das stattliche Gebäude erhebt sich inmitten eines großen, freien, in der Kumilskoer Straße belegenen, früher der Kirchengemeinde gehörigen Platzes, der
bis zum Jahre 1815 Friedhof war, auf dem die alte Kirche gestanden hatte. Beim
Bau der Schule wurden ganze Gräberreihen freigelegt und gut erhaltene Gebeine
mit den den Toten mitgegebenen Beigaben zu Tage gefördert. Die Weihe der neuen
Schule wurde am 14. November 1904 im Beisein hoher behördlicher Vertreter und
geladener Gäste durch Pfarrer Rausch, hier, vollzogen. Die Baukosten beliefen sich auf 94.614,49 Mark; hiervon wurden durch Staatsbeihilfen
gedeckt 46.000 Mark, und durch das von der Kirchengemeinde gezahlte
Ablösungskapital von 16.646,60 Mark für die Befreiung von ihrer patronatlichen
Verpflichtung hinsichtlich der früheren Kirchenschule Bialla. Zur Bestreitung
des Restes der Bausumme wurde bei der Provinzialhilfskasse ein Darlehn von 10.000
Mark aufgenommen. Der Schulneubau enthält im Schulflügel 8 Schulklassen und ein
Lehrerzimmer, einen Wohnflügel, Dienstwohnungen für den Rektor und Kantor,
(deren Schul- und Kirchenämter organisch verbunden sind) und die für den
Schuldiener. Im Jahre 1927 hat die Stadt eine Warmwasserheizung durch die Firma
Schaffstädt, Königsberg einbauen lassen, die von Lehrern und Schülern als eine
Wohltat empfunden wird. Die Regierung hat hierzu eine Beihilfe in Aussicht
gestellt.
Im einem kurzen Rückblick soll hierbei auch der
Schulverhältnisse aus Vergangenheit und Jetztzeit gedacht werden. Am 1. April
1900 hatte die hiesige Schule 6 Klassen mit 263 Schülern, von denen Klasse II-VI
gemischt, Klasse I nach Geschlechtern getrennt unterrichtet wurde. Am 1.4.1902
ist durch Beschluß der städt. Körperschaften eine 7. Schulstelle als
Lehrerinnenstelle geschaffen worden, deren erste Inhaberin, Lehrerin Broscheit,
nach kurzer Amtszeit versetzt wurde. Ihre Nachfolgerin war die Lehrerin Martha
Bartsch. Klasse I und II waren im
jetzigen Gemeindehause untergebracht; hier
hatte auch Rektor v. Mensel seine Dienstwohnung. Der Klassenraum der
Knabenklasse stieß, durch eine Tür getrennt, an den Wohnraum des Rektors, der in
seinen Freistunden auf dem Sofa sitzend und die
unvermeidliche lange Pfeife rauchend, ein freiwillig-unfreiwilliger Zuhörer der
Unterrichtenden und Lernenden war. Ehre seinem Andenken!
1900 gehören zum Lehrerkollegium: Rektor v. Mensel, Kantor
Lyss, Lehrer Kloß, Lehrer Kahnert, Lehrer Richtstein und Lehrer Heldt, von ihnen
deckt die drei erstgenannten bereits lange der grüne Rasen. Die Lehrer Kahnert
und Heldt sind verzogen; Lehrer Richtstein, der von 1888 bis 1923 am Orte
gewirkt hatte und in diesem Jahre sein 40jähriges Bürgerjubiläum feierte, ist
bald nach seiner Beförderung krankheitshalber in den wohlverdienten Ruhestand
getreten und wohnt noch hier. 1920 hatte die hiesige Volksschule 397 Kinder,
1926 = 328. Im
Laufe von 28 Jahren ist die Schülerzahl um 100 gestiegen sie
beträgt jetzt 368. Nach dem Stande vom 1.5. d. J. wurden 9 Klassen - die beiden
untersten Jahrgänge sind geteilt - von 8 Lehrkräften 362 Schüler unterwiesen,
von denen 346 evangelisch, 2 katholisch, 3 jüdisch und 11 dissidentisch sind.
Deutsch sprechen 355, deutsch und masurisch 7, masurisch allein kein Schüler. Dem Kollegium gehören jetzt an: Rektor
Grünberg, Konrektor Tetzlaff, die Lehrer Puschke, Przyborowski, Roß, Sbiegai und
die Lehrerinnen Zmoydzien und Owczarzyk.
Im Schulgebäude sind auch die beiden Berufsschulen
untergebracht. Die kaufmännische ist am 1.4.1900 mit 24, die gewerbliche am 1.4.1904 mit 33 Schülern eröffnet worden. Das Schulgeld war in jener Zeit auf 50
Pfennig pro Lehrling und Monat festgesetzt. Der Unterricht in der gewerblichen Fortbildungsschule fand lange Jahre hindurch am Sonntag von 11-1 Uhr statt. 1923 waren beide Schulen eingegangen, sind jedoch 1927 wieder eröffnet worden.
Die vorhandenen Schulräume entsprechen seit Jahren nicht mehr
den gesteigerten Anforderungen der Gegenwart. Es fehlen eine Aula, ein Musik-
und Zeichensaal, ein Lehrerinnenzimmer, ein Handfertigkeits- und Lehrmittelraum,
ein Näh-, Koch- und Waschraum, ebenso eine Turnhalle und eine Badeanstalt.
Seitens der Aufsichtsbehörde ist im Frühjahr dieses Jahres eine Besichtigung der
Schulräume vorgenommen worden und ein Umbau in Aussicht gestellt. Doch wird
dieses Projekt aus Mangel an Mitteln vor 1930 nicht zur Ausführung kommen
können, wenngleich die Schwierigkeiten in der Unterbringung der rasch steigenden
Schülerzahl von Jahr zu Jahr größer werden.
Die meisten städtischen und sonstigen öffentlichen Bauten
(Rathaus, Post, Schule, Pfarrämter, Kirche, Gericht) haben eine zentrale Lage.
Sie stehen teils auf dem Marktplatz, teils in seiner unmittelbaren Nähe. Diese Tatsache ist für das Wirtschaftsleben von nicht geringer Bedeutung.
Denkmäler, Gedenksteine.
Als stumme Zeugen der jüngsten Vergangenheit sind die beiden
Denkmäler und der Abstimmungsstein anzusprechen. Das Kriegerdenkmal ist
anläßlich des 200-jährigen Stadtjubiläums 1922 erbaut. Bereits vor dem Kriege
sollte vor dem Rathause ein solches Aufstellung finden. Zwei Feldgeschütze aus
dem deutsch-französischen Kriege waren seitens des Kriegsministeriums der Stadt
zu diesem Zweck zum Geschenk gemacht worden und bereits in deren Besitz. Da kam
der Krieg. Nun ist das Versäumte nachgeholt. Ein schlichter Sandstein-Obelisk
nennt 203 Namen tapferer Krieger aus der
Stadt und dem
Kirchspiel Bialla. Mit seiner steinernen Umwehrung und dem freundlichen
Heckengrün als Umfriedigung hebt es sich vom Rathause, seinem Hintergrunde, auf
das Vorteilhafteste ab. Die Umwehrung ist von dem Architekten Dümler, hier
entworfen und von ihm eigenhändig erbaut. Die Pflege der gärtnerischen Anlagen
ist Ehrenpflicht der Stadt und wird z. Zt. von
Gärtnereibesitzer Blümel unentgeltlich ausgeführt. - An die ruhmreiche Abstimmung
am 11. Juli 1920, bei welcher hier keine Stimme für Polen abgegeben wurde.
gemahnt ein Granitfindling. - Anläßlich des 500jährigen Ortsjubiläums der Stadt läßt diese einen Gedenkstein an der Stelle errichten, an der das 82.
Artillerie-Regiment am 9.8.1914 mit 4 Geschützen 8 feindliche erobert hatte. Diese waren die ersten des Wellkrieges; sie sind später nach
Berlin gebracht worden, wo sie vor dem Königlichen Schloß aufgestellt worden
waren. - Das Jahndenkmal ist bei Gründung des hiesigen Männerturnvereins 1905
errichtet. Auf einem Sockel aus Feldsteinen stand - wo jetzt der Justizneubau
errichtet ist - ein vom „alten Stepputat" bearbeiteter Findling. An der
Vorderseite war eine Kupfertafel mit Inschrift befestigt. Gekrönt war der Stein
von einer Kupferkugel und einem fliegenden Adler. Der alte Steinmetz Stepputat
ist ein bei der älteren Bürgerschaft bekannter Sonderling, der nachweislich 115
Jahre alt geworden war.
Städtische Betriebe.
Die Wasserversorgung.
Sie ist ein trauriges Kapitel in der Geschichte unseres
Ortes. Die Versorgung mit Trinkwasser erfolgte durch eine Anzahl von Haus- und
städtischer Brunnen. Jedoch hatten zwei größere Straßen
(Bahnhof- und Töpferstraße) nicht ausreichend Wasser. Die
Anlieger mußten ihren Bedarf in Küwen und Eimern 1-200 m weit heranschaffen. In
heißen Sommern trockneten viele Privat- und städtischen Brunnen gänzlich aus. Im
Kriege wurden letztere vom Kreisarzt geschlossen. Das war ein unhaltbarer
Zustand. Man faßte städtischerseits daher den Beschluß, ein Wasserwerk zu bauen.
Dieser Plan rührte von dem damals amtierenden Bürgermeister Dr. Braun her. Er
ließ 1915/1916 mit Hilfe russischer Kriegsgefangener einen 63 m tiefen Bohrbrunnen
graben, der so ergiebig war, daß das Wasser 2 m über Tage stieg und dauernd floß.
Das Ouellwasser wurde damals von der Preuß. Landesanstalt für Wasserhygiene untersucht und ergab folgenden Befund: In einem Liter sind
enthalten: Kieselsäure schwachhaltig, Spuren von Schwefelwasserstoff,
suspendierte Stoffe 3 mg, Cl. 4. freie Kohlensäure 31 mg, gebundene 119 mg,
Salpetersäure erst nachweisbar, Eisen 1,4 (leicht löslich), Kalium 6 mg.
Es war für den menschlichen Genuß vorzüglich geeignet.
Der Bau eines Werkes kam infolge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der
Kriegszeit und der einsetzenden Inflation nicht mehr in Frage, obwohl die
Gesundheitsverhältnisse in der Stadt sich zusehends verschlechterten.
Durchschnittlich wurden in Bialla jährlich 2-3 Typhusfälle dem Kreisarzt
gemeldet. 1920 stieg diese Zahl auf 7. Dieser besorgniserregende Umstand
war unzweifelhaft auf die schlechte Beschaffenheit des
Trinkwassers zurückzuführen. Nach dem Kriege wurde diese Frage brennend.
Bürgermeister Dirksen (1921-1926) nahm die Vorbereitungen des Projektes wieder
auf und wußte auch die städtischen Körperschaften dafür zu gewinnen. Die
gegenwärtige Stadtverwaltung glaubte die Verantwortung für die Folgen eines so
unhaltbaren Zustandes nicht länger tragen zu können und entschloß sich, trotz
mehrfacher Widerstände seitens der Bürgerschaft, in unmittelbarer Nähe des oben
erwähnten artesischen Brunnens das Wasserwerk erbauen zu lassen. Im ersten
Amtsjahr des jetzigen Bürgermeisters machte diese
Angelegenheit rasche Fortschritte. Nach Entgegennahme von
Sachverständigen-Gutachten, darunter auch das von Baurat Jenk, Königsberg, wurde
nach 2.maliger Ausschreibung die Firma "Franke Werke, Bremen" mit der
Bauausführung beauftragt. Als Dauer-Sachverständiger stand der Stadtverwaltung
der Oberingenieur Kähler, Allenstein zur Seite. Sein Name ist mit der
Entstehungsgeschichte des städtischen Wasserwerks für immer verknüpft und bleibt hier unvergessen. Der Baubeginn war der 23.8.1927. Anfang
September desselben Jahres war die feierliche Grundsteinlegung des Wasserturmes,
wobei auch hier eine Urkunde, alle Münzsorten vom Pfennig bis zum Fünfmarkstück,
Zeitungen, Kriegsnotgeld und eine große Anzahl von Scheinen der Inflationszeit
eingebettet wurden. Durch den Winter unterbrochen, nahmen die
Arbeiten im Frühjahr 1928 ihren Fortgang. Am 18. Mai erfolgte die Uebergabe und
Weihe des Werkes. Am 19. Mai wurde seitens der hiesigen Feuerwehr ein
Löschversuch an den Oberflurhydranten des Marktplatzes angestellt, der über
Erwarten gelungen ist, denn die Verwaltung hatte von vornherein darauf Bedacht
genommen, durch Höherstellung des Wasserbehälters (24 m) das gute Gelingen aller
Feuerlöscharbeiten zu gewährleisten. Die Bekämpfung aller in Zukunft
vorkommenden Stadtbrände ist, trotz des Fortfalls einer Motorspritze, auf eire
moderne Grundlage gestellt. Der 18. Mai 1928 ist ein Gedenktag der Stadt.
An dem Tage floß zum ersten Male Leitungswasser. Der Erbauer des Wasserwerkes ist
der Maurer- und Zimmermeister Brodowski, hier. Nun steht das Werk vollendet. Der
schöne, schlanke Turm ist nunmehr das dritte und höchste Wahrzeichen der Stadt.
Er ist in seinem oberen Teil von Kreisbaumeister Kaiser, Johannisburg, entworfen
und ähnelt in seinem Stil den Burgtürmen der Ordenszeit, ein Symbol von
Tatkraft, Umsicht und Einigkeit der Stadtverwaltung, aber auch ein beredtes
Zeichen von Lebenswillen und Lebensfreudigkeit des gegenwärtigen Geschlechts
trotz der Schwere der Zeit.
Die Versorgung mit Licht.
Ließ auch eine zeitgemäße Wasserversorgung hier lange auf
sich warten, in einer Hinsicht war Bialla
vielen andern Klein- und Mittelstädten
voraus. Es darf sich rühmen, schon ein Vierteljahrhundert elektrisches Licht zu
besitzen. 1903 schloß die Kommune mit dem Besitzer des Kraftwerkes - Zander -
einen Lieferungsvertrag bis 1932 laufend ab, auf Grund dessen dieser
verpflichtet ist, den Stadtbewohnern den Licht- und Kraftstrom für einen
angemessenen Preis abzugeben. Im Kleinverbrauch kostet das Kilw. 65 Pf. im
Mehrverbrauch 50-60 Pf.; der Kraftstrom wird mit 40 Pf. berechnet. lm Jahre 1926
erhielt die Kraftzentrale Anschluß an das Ostpreußenwerk (Ueberlandzentrale)
von dem die Stadt den Strom zum Antrieb der im Dauerbetrieb stehenden Pumpe im
Wasserturm benutzt. Mit Ablauf der Vertragsfrist beabsichtigt die Stadt, die
Stromversorgung in eigene Regie zu übernehmen, um der Bürgerschaft billigern Strom
liefern zu können. Es schweben dieserhalb Verhandlungen mit der Direktion der
Ueberlandzentrale. (Foto des Kraftwerkes
1915).
Der Stadthaushaltsplan.
Das Herzstück jeder Verwaltung ist ihre Finanzwirtschaft.
Diese leidet in Bialla zuweilen an Herzschwäche; doch das ist ein chronisches
Leiden aller Kommunen, ganz besonders der kleinen. Die Stadtverwaltung hat dafür
Sorge zu tragen, daß diese Krisis nicht zur Katastrophe
wird. Von jeher sind die städtischen Körperschaften der Stadt Bialla bemüht
gewesen, die wirtschaftliche Lage ihrer Einwohner zu heben und ihre Steuerkraft
zu stärken. Was aber unser Städtchen gehindert hat, in seiner Entwickelung mit
andern Städten der Provinz gleichen Schritt zu halten, das ist seine ungünstige
Lage. Kaum 10 km von der polnischen Grenze entfernt, besitzt sie ein
wirtschaftlich schwaches Hinterland und liegt weit ab von einer größeren
Verkehrsader. Das Gewerbe ringt schwer um seine Existenz. Was heute deutsche
Ostmark heißt, ist durchweg in schwerer Notlage. Die Lage der Landwirtschaft,
die durch die diesjährige anormale Witterung aufs
äußerste gefährdet ist, wirkt zurück auf die Steuerkraft des Mittelstandes. Die
Stadt ist nun einmal abhängig vom Land, zumal hier jede Basis für eine größere
Industrie fehlt. Fast völlig verdrängt von der sichern Einnahmequelle der
Einkommensteuer, belastet mit ständig wachsenden Ausgaben, mußte die Verwaltung
die Realsteuern in erheblichem Maße anspannen und die kleinen Steuern, die oft
zu Verärgerungen führen, wie die Vergnügungs-, Bier- und Hundesteuer, in
Anspruch nehmen. Hierzu tritt noch die Belastung durch die Fürsorgegesetze. Es
ist daher kein übertrieben pessimistisches Urteil, wenn man die Finanzlage der
Stadt als unerfreulich bezeichnet. Die etatsmäßigen Ausgaben und Einnahmen auch
der früheren Jahre ergeben nachstehende Zusammenstellung:
Haushaltsplan
|
Bezeichnung der Verwaltung |
| |
Hauptverwaltung |
Armenverwaltung |
Schulverwaltung |
Abschluß |
| |
Einnahme |
Ausgabe |
Einnahme |
Ausgabe |
Einnahme |
Ausgabe |
Einnahme
Ausgabe |
| Jahr |
Mk. |
Mk. |
Mk. |
Mk. |
Mk. |
Mk. |
Mk. |
|
1900 |
14.691,41 |
9.219,51 |
100,00 |
1.350,00 |
0,00 |
4.221,70 |
14.791,21 |
|
1905 |
28.074,60 |
21.511,20 |
100,00 |
1.732,00 |
0,00 |
4.931,40 |
28.174,60 |
|
1910 |
37.193,53 |
31.242,80 |
350,89 |
1.431,04 |
17.178,00 |
22.048,50 |
55.594,42 |
|
1915 |
44.092,00 |
33.200,00 |
456,00 |
1.335,00 |
16.820,00 |
25.413,00 |
61.368,12 |
|
1928 |
126.456,00 |
100.757,00 |
1.030,00 |
6.100,00 |
56.770,00 |
76.985,00 |
184.256,00 |
-------
Die Einnahmen und Ausgaben für die Berufsschüler sind hierbei
nicht berücksichtigt.
Es dürfte hierbei interessieren, daß der Etat im Jahr 1810
sich auf 550 Taler und 55 Silbergroschen in Einnahme und auf 558 Taler und 47 Silbergroschen in Ausgabe belief. Die fehlenden 7 Taler und 84 Silbergroschen
sollten durch Ersparnis gedeckt werden !! - -
An direkten Gemeindesteuern wurden bis
zum Jahre 1919 Zuschläge zur Gewerbe- und Betriebssteuer erhoben. Diese Zuschläge
waren dieselben wie die zu den Realsteuern erhobenen. Nachstehende Aufstellung
gibt einen Ueberblick über die tatsächlich aufgekommenen
direkten Gemeindesteuern in den genannten Jahren:
| |
Nach dem Etat |
Nach dem Rechnungsabschluß |
Verblieben in Rest |
|
Jahr |
Mk. |
Mk. |
Mk. |
|
1900 |
10.400,04 |
?,?? |
?,?? |
|
1905 |
21.539,77 |
21.465,07 |
145,24 |
|
1910 |
24.776,36 |
24.986,44 |
753,62 |
|
1915 |
31.358,68 |
31.658,00 |
Überschuß
300,68 |
|
1925 |
53.542,00 |
56.098,15 |
Überschuß 2.556,15 |
|
1928 |
66.673,13 |
noch nicht abgeschlossen |
noch nicht abgeschlossen |
An Zuschlägen zu den Realsteuern wurden erhoben:
1900 = 255 %; 1903 = 213 %; 1905 = 213 %;
1910 = 200 %; 1915 = 220 %; 1920 = 1.200 %; 1925 = 350 %; 1927 = 400 %; die
Zuschläge in der Nachkriegszeit gelten als im Durchschnitt angegeben.
Die Zahl der Steuerpflichtigen betrug 1900 32 Beamte, 482
Bürger und 51 Forensen, zusammen 565 Personen; im Jahre 1910 aus 44 Beamten, 528
Bürgern und 75 Forensen, zusammen 647 Personen; 1919 = 286 Bürgern, 92 Forensen. Im Jahre 1927 waren 99 Forensen und 330
Gemeindesteuerpflichtigen; infolge Fortfalls der gemeindlichen Einkommensteuer
durch das neue Reichseinkommensteuergesetz verringerte sich die Zahl der
Gemeindesteuerpflichtigen. Die Zahl der Steuerpflichtigen im Jahre 1813
bestand aus 188; darunter waren 36 Tagelöhner; es sollten durch Steuern
aufkommen 685 Taler; es kamen jedoch nur 313 Taler auf. An indirekten Steuern
wurden bis 1919 erhoben: Bier-, Hunde-, Lustbarkeits- und Umsatzsteuer und
Zuschläge zur Brausteuer. Es dürfte zu weit führen, die Zahlen der aufgekommenen
Steuern im Rahmen dieser Schrift anzugeben. An Gebühren wurden erhoben:
Schornsteinfegergeld, Marktstandsgeld, Baugebühren, Friedhofsgebühren,
Standesamts- und Publikationsgebühren. An Marktstandsgeld kam ein 1900 = 1.087 Mk; 1905 = 518 Mk.; 1910 =
1.058 Mk.; 1927 = 2.300 Mk.
Verwaltung der Stadt.
Die Verwaltung liegt in den Händen des Magistrats und der
Stadtverordneten-Versammlung. Die Geschäftsführung in der Stadtv.-Vers. wird
auf Grund einer besonderen Geschäftsordnung gehandhabt. Eine solche ist vom Verfasser 1927 aufgestellt, von den Körperschaften angenommen und von der
Aufsichtsbehörde genehmigt.
Im Jahre 1900 gehörten dem Magistrat an:
Bürgermeister Heinrich Schorlepp (1886-1909), Beigeordneter Rentier Jakob
Tielmann, Ratmann Grundbesitzer Ed. Danielzik, die Ratmänner Gust. Bongarts
(Bongartz),
Benjamin Linker und Rechtsanwalt Gettwart.
1911 setzte sich das Magistratskollegium
zusammen aus: Bürgermeister Dr. Otto Braun (1908-1921). Beigeordneter Morwinski
und den Ratsmännern Chlupka, Louis Leopold, Benjamin Linker und Kaufmann Johann
Rattay.
1919: Dr. Braun, Morwinski, Unger, J. Rattay, L. Leopold und
A. Strojek.
1928: Dr. Matthias Rohrmoser, Beigeordneter Rechtsanwalt
Kirstein und den Ratsmännern Sadowski, Brama, Danissus und Bongarts.
1900 gehörten der Stadtv.-Vers. an: Kfm. Cohn, Kfm. Rößler, Gutsbesitzer Louis Leopold, Kfm. G. Fürst,
Kfm. H. Neumann, Hotelbesitzer
Görke, Klempnermeister Chlupka, Bes. F. Müller, Schmiedemeister Peiler.
In Anerkennung ihrer Verdienste sind die langjährigen
Mitglieder des Magistrats L. Leopold und Morwinski zu Stadtältesten ernannt
worden.
Ehrenbürger der Stadt ist der Herr Reichspräsident v
Hindenburg, dessen Büste im Sitzungsraum der städtischen Körperschaften
aufgestellt ist.
1911: Rechtsanw. Ziegler, Kfm. Paulus, Kfm. Emil Wolff,
Fleischermeister Emil Krassert, Kfm. Alb. Nitschmann, Fabrikbes. Bongarts, Schneidermstr. Unga, Fleischermstr. Lichowski und Schmiedemeister
A. Strojek.
1928: Konrektor L. Tetzlaff, Kfm. Walter Bischof,
Schneidermeister Koppenhagen, Kfm. Conrad, Bes. Esau, Bes. Formanowitz,
Bäckermeister Koytka, Schneidermstr. Burbiel, Schmiedemstr. Paschereit,
Rottenaufseher a. D. Drenkwitz und Schlossermstr. Bublitz.
Der Magistrat erledigte:
| |
im
"
"
"
"
"
"
" |
Jahre
"
"
"
"
"
"
" |
1900
1905
1908
1909
1910
1915
1916
1927 |
in
"
"
"
"
"
"
" |
15
15
27
37
23
7
25
44 |
Sitzungen
"
"
"
"
"
"
" |
79
66
115
232
194
74
307
855 |
Sachen
"
"
"
"
"
"
" |
|
Die Stadtverordnetenversammlung
verabschiedete:
| |
im
"
"
"
"
"
" |
Jahre
"
"
"
"
"
" |
1900
1905
1908
1909
1915
1916
1927 |
in
"
"
"
"
"
" |
6
13
10
21
3
9
39 |
Sitzungen
"
"
"
"
"
" |
30
63
92
119
17
70
302 |
Vorlagen
"
"
"
"
"
" |
|
Zur Vorbereitung wichtiger Vorlagen und sonstiger
Unterstützung in der Erledigung laufender Geschäfte werden von den Körperschaffen
Kommissionen gewählt, diese sind: Baukommission, Gesundheitskommission,
Feldkommission, Schuldepulation, Vorstand der Stadtsparkasse,
Friedhofskommission, Wohnungskommission, Mietseinigungsamt, Gräberkommission,
Wasserwerkskommission, Steuerausschuß, Etatskommission und
Berufsschulkommission.
Nachstehend ein kleiner Auszug aus dem
Standesamtsregister; es wurden gemeldet:
| |
1900
1905
1909
1915
1920
1925
1927 |
=
=
=
=
=
=
= |
61
69
75
85
182
178
174 |
Geburten
"
"
"
"
"
" |
41
52
50
116
119
87
72 |
Sterbefälle
"
"
"
"
"
" |
20
17
25
31
63
91
102 |
Ueberschuß
"
"
Mehrsterbefälle
Ueberschuß
"
" |
|
Bialla hat gegenwärtig 2.600 Einwohner.
Das Vereinsleben in der Stadt.
Die abgeschlossene Lage unseres Städtchens brachte es mit
sich, daß das Vereinsleben hier seit altersher in Blüte stand. Der älteste,
größte und beliebteste Verein ist der
Schützenverein. Unter dem Motto: "Ueb' Aug' und
Hand fürs Vaterland" versammelten sich die Bürger der Stadt am 10. Juli 1876 und
schritten zu seiner Gründung. Von den Gründern seien erwähnt: Gebr. Thielemann, Kawka, Meißner, Hildebrand. Der 1. Schützenkönig
war Friedr. Thielemann. Der neugegründete Verein besaß 7
Gewehre, Vorderlader Kal. 12. Das erste Schießen fand auf Thielemann'schem
Gelände am Kallischker Walde statt, an dem die ganze Stadt teilgenommen haben
soll. Im zweiten Jahr wurde der Stand nach Bikowo
verlegt, wo er bis 1884 verblieb. Von da ab kam er nach
dem Kommorower Wald. 1902 wurde er im Stadtpark
errichtet. Die Zahl der Stände wuchs im Laufe der Jahre und beträgt gegenwärtig
12 für Schützen, daneben ist ein Damenschießstand. Die
Fahne, die Gewehre und die Akten des Vereins sind im
Kriege verloren gegangen. 1921 wurde eine neue Fahne mit dem alten Leitwort
beschafft. Einige Schützenkönige seien hier genannt:
Fürst, Golda, Danielzik, Czwalinna, Ad. Müller, Linker, Lichowski, Ad. Czwikla,
Aug. Willutzki, Grzebien, Jankowski, Sadowski, Klinowski, Conrad, Donath, Aug.
Leopold, E. Krassert, Dzewas, Wolff. Die Mitgliederzahl beträgt
jetzt 105 Mitglieder. Vorsitzender ist
Bürgermeister Dr. Rohrmoser. Das älteste Mitglied und
Mitbegründer des Vereins ist der Rentier Adolf Czwikla,
79 Jahre alt. In diesem Jahr ist der Herr Reichspräsident v. Hindenburg Schützenkönig. 1922 wurde eine
Jungschützenabteilung begründet, die dem alten Verein angegliedert ist.
Die Gründung des Männerturnvereins fällt in das Jahr 1905.
Gründer dieses Vereins war der Kantor Lyß. Die Vereinsfahne erfuhr das gleiche
Schicksal wie die des Schützenvereins und ist neu ersetzt. Die Weihe derselben fand
am 9. 7.1920 statt. Vorsitzer ist Amtsgerichtsrat Dr.
Gallenkamp.
Seit 1903 besteht am Ort auch ein Verein selbständiger
Kaufleute, dessen langjähriger verdienstvoller Leiter der kürzlich plötzlich verstorbene Kaufmann Joh. Rattay war. Die
Mitgliederzahl beträgt 25. Vorsitzender ist Kaufmann Emil
Wolff.
Zur Wahrung seiner Belange auch nach außen hin tat sich das
hiesige Handwerk zusammen und begründete 1919 mit 27
Mitgliedern den "Handwerker-Verein
Bialla und Umgegend". Sein Gründer war der s. Zt. in Bialla wohnhafte Baumeister Todt. 1921 beschaffte sich der Verein die Fahne, die die
Widmung trägt: „Gott schütze das ehrsame Handwerk".
Besondere Verdienste um den Verein haben sich der Tischlermeister Waschk und
Schmiedemeister Paschereit erworben. Im Anschluß an Nachbarvereine ist es ihnen gelungen, daß mit Genehmigung maßgebender Berliner
Stellen in Johannisburg eine Handwerkerbank und eine Nebenstelle in Bialla
errichtet wurden. Diese Maßnahme steht in der Provinz Ostpreußen einzig da. Der
Verein zählt 100 Mitglieder. Den Vorsitz führt z. Zt. der Friseurmeister G. Vincentini. Zu Ehrenmitgliedern dieses
Vereins sind ernannt: Dr. Hintz, prakt. Arzt, Rechtsanwalt
Kirstein, Apothekenbesitzer Herrnring, Lehrer Lehrbaß - Lyck und Töpfermeister
Pawelzik.
Zu den größeren Vereinen des Orts zählt auch der
Kriegerverein; er ist 1884 mit 60 Mitgliedern begründet und zählt jetzt 130 Mitglieder. Die vom früheren Kaiser Wilhelm II. geschenkte Fahne ist auch im Kriege
verloren gegangen. Die neue ist 1924 geweiht. Dolmetscher-Oberinspektor
Solewski führt den Vorsitz. Eine Uebersicht über die Zahl
und Stärke der übrigen Vereine gibt nachstehende Zusammenstellung:
|
Nr. |
Name des Vereins |
Grün-dungs-Jahr |
mit
Mitgl.- Anzahl |
jetzige
Mitgl.- Anzahl |
Vorsitzender |
|
1 |
Verein junger Kaufleute |
1919 |
8 |
20 |
Kaufmann Wapniewski |
|
2 |
Haus- und Grundbesitzer-Verein |
1926 |
60 |
90 |
Schneidermeister Koppenhagen |
|
3 |
Mieterverein |
1923 |
130 |
140 |
Bäckermeister Koytka |
|
4 |
Reiterverein |
1921 |
62 |
84 |
Oberl. Kantz, Klarheim |
|
5 |
Stahlhelm, Ortsgruppe Bialla |
1927 |
75 |
35 |
Dr. Hintz, prakt. Arzt |
|
6 |
Jung-Deutscher Orden |
1923 |
34 |
70 |
Kaufmann Koraska |
|
7 |
Radfahr-Verein |
1927 |
68 |
86 |
Lehrer Przyborowski |
|
8 |
Klein-Kaliber-Sport-Verein |
1923 |
23 |
47 |
Lehrer Poschke |
|
9 |
Allgem. Deutscher Automobil-Club |
1928 |
23 |
32 |
Architekt Reinhardt |
|
10 |
Jung-Schützenverein |
1923 |
28 |
15 |
Kaufmann Wapniewski |
|
11 |
Dt.-mas.-erml. Abstimmungs-Bund |
1927 |
14 |
18 |
Bürovorsteher Eisermann |
|
12 |
Guttempler-Orden |
1907 |
12 |
32 |
Leitungsaufseher Schiemann |
|
13 |
Jagd-Verein |
19.. |
11 |
15 |
Apothekenbesitzer Herrnring |
|
14 |
Tennis-Verein |
1915 |
20 |
35 |
Frau Herrnring |
|
15 |
Vaterländischer Frauenverein |
? |
45 |
100 |
Frau Pfarrer Link |
Am Orte bestehen vier Innungen: die Schlosser- und Schmiedeinnung, Tischler- und Stellmacherinnung, die
Schneiderinnung und die Schuhmacherinnung.
Das Feuerlöschwesen
der Stadt.
Die Aufsicht und Leitung des städtischen Feuerlöschwesens übt
der Polizeiverwalter von Amts wegen aus. Es besteht hier seit 1896 eine
freiwillige und eine Pflichtfeuerwehr. Die erstere stand lange Jahre unter der
Leitung ihres bewährten Brandmeisters Emil Krassert. Die Pflichtwehr dient zur
Unterstützung der Freiwilligen Wehr. Vor Gründung beider Wehren wurde der Alarm
durch alle möglichen Radauinstrumente, Holzknarren und Hörner geschlagen. Bei
der Unzulänglichkeit dieser Alarmierung ließen sich die Schläfer in ihrer
Nachtruhe nicht stören und mußten einzeln geweckt werden. In späteren Jahren
erfolgte sie durch Trompetensignale. Die Lösch- und Rettungsgeräte sind von der
Stadt angeschafft und werden in dem am hinteren Martktptatz stehenden Spritzenhaus
aufbewahrt. Eine große Anzahl Wasserküven ist in einem eigens für diesen Zweck
erbauten Schuppen am Mühlenteich am sogen. „Katzensteg" untergebracht. 10
Oberflur- und 30 Unterflurhydranten sind auf alle Stadtteile gleichmäßig
verteilt. Die Unterhaltungskosten der Wehr bestreitet diese selbst; die Stadt
trägt die Beiträge für die Unfallkasse und zahlt an Mannschaften kleine Prämien
für besondere Auszeichnung bei Bekämpfung des Feuers. Die technische Leitung der
Feuerwehr liegt in den Händen des rührigen Oberbrandmeisters Dzewas. 1926
gründete sie mit Unterstübung der Stadtverwaltung aus ihrem Mannschaftsbestande
eine Musikkapelle, die unter Leitung des Friseurs Paul Lux sich allgemeiner
Beliebtheit erfreut.
Die Stadtverwaltung während des
Krieges.
Als bei der Mobilmachung 1914 der damalige Bürgermeister Dr.
Braun und sein Bürovorsteher zum Heeresdienst einberufen wurden, übernahm der
Beigeordnete Rentier Morwinki mit Hilfe des mit den örtlichen und amtlichen
Verhältnissen vertraut gewesenen Bürogehilfen, jetzigen Stadtobersekretärs
Leopold die Leitung der Dienstgeschäfte des Magistrats, des Standesamts, der
örtlichen Polizeiverwaltung, der Amtsanwaltschaft und der Amtsbezirke Belzonzen
und Ruhden.
Gleich zu Anfang des Krieges - 3. August - rückten mehrere
Kosakenschwadronen in unser Städtchen ein, steckten mehrere Wohn- und
Wirtschaftsgebäude in Brand und erschossen ohne Ursache 14 Zivilpersonen. Die
Lage wurde von Tag zu Tag kritischer. Lyck war bereits von russischen Truppen
besetzt. Um dem Schicksal einer Gefangennahme zu entgehen, flüchteten die
meisten Bewohner der Stadt und mit ihnen auch der Beigeordnete. Bald darauf
wurde der Mühlenbesitzer J. Zander hierselbst als stellv. Bürgermeister
behördlich bestellt und vereidigt, der die Verwaltung von Anfang September 1914
bis April 1915 nach besten Kräften leitete und nur etwa 3 Monate lang während
der russischen Besetzung die Stadt verlassen hatte. Mit Rücksicht darauf, daß
Zander
der russischen Sprache in Wort und Schrift mächtig war und mit den russischen
Militärbehörden verhandeln konnte, hat er sowohl der Zivilbevölkerung als auch
der deutschen Heeresverwaltung wertvolle Dienste geleistet. Sein
unerschrockenes, selbstloses Wirken zum Wohle der Allgemeinheit soll für
allezeit unvergessen bleiben. Er ist seitens der Militärbehörde mit dem Eisernen
Kreuz II. KI. am weißschwarzen Bande ausgezeichnet worden.
Anfang Mai 1915 kehrten die meisten Flüchtlinge wieder
zurück. Die Mittel- und Obdachlosigkeit der Heimgekehrten war groß und stellte
an die Stadtverwaltung erhöhte Ansprüche. Daher wurde Bürgermeister Dr. Braun vom
Mai 1915 bis Ende 1917 auf wiederholte Reklamationen seitens der Bürgerschaft
vom Waffendienst beurlaubt und mit Jubel von der Stadtbevölkerung empfangen. Zu
gleicher Zeit kehrte auch Bürovorsteher Leopold aus dem Felde heim, um den
Magistratsdirigenten in seinen Amtsgeschäften zu unterstützen. Er erhielt später
das Verdienstkreuz für Kriegshilfe. Infolge Einführung der Zwangswirtschaft für
Lebensmittel und Wirtschaftsartikel wurde dem Magistrat die Kontrolle über den
Verbrauch von Lebensmitteln, später auch von Bekleidung, Beleuchtungs- und
Beheizungsmaterial übertragen. Auch mußte beim hiesigen Magistrat - der
amtlichen Sammelstelle - die Ablieferung und Bezahlung der für den
Kriegsbedarf erforderlichen Wirtschaftsgegenstände aus den Amtsbezirken
Drygallen, Gr. Rosinsko, Monethen, Belzonzen, Ruhden und Kumilsko bis zum
Kriegsende erfolgen. In der Revolutionszeit kam es in der Stadt zu keinen
Unruhen oder Zwischenfällen, da die schwergeprüfte Bevölkerung ihre ohnehin
trostlose Lage nicht noch verschlimmern wollte.
Im Anschluß seien die Schrecknisse des Krieges, die die
Stadtbewohner durchgemacht, in einigen Bildern dem Leser ins Gedächtnis
zurückgerufen:
Noch Ende Juli hoffte man, daß der Krieg sich würde vermeiden
lassen. Doch als am 31. Juli die roten Zettel die Mobilmachung verkündeten, als
am Tage darauf Kosakenpferde in den prächtigen Haferfeldern weideten, der
Landsturm eingezogen war, als am 2. August, einem prächtigen Sommermorgen, die
Dörfer der Umgegend in Flammen standen, Scheunen und Gehöfte auch in der Stadt
brannten, da wußte man, der Krieg war gekommen. Jener Montag, der 2. August,
wurde zu einem Schreckenstag. Laut dröhnende Sprengschüsse, Schießen in den Straßen, Tote und Verwundete bei der Bevölkerung, durchsprengende
Kosakenschwadronen, klirrende Fensterscheiben, Raub und Plünderungen, die
wunderbare Ruhe der Bürgerschaft sind unvergeßlich. Unter Bangen und Sorgen
vergingen die nächsten Tage, bis der 9. August ein siegreiches Gefecht des
Grenzschutzes gegen eine russische Kavalleriebrigade mit Artillerie brachte.
Doch am 19. August wird das Militär zurückgezogen; ein großer Teil der
Einwohner verläßt die Heimat, erlebt unterwegs das Flüchtlingselend und findet
ein Unterkommen in Gegenden, welche die Kriegsgreuel nicht kennen. Den
Nichtgeflüchteten wird von der russischen Besatzung das
Leben zur Hölle gemacht. Der 7. September 1914 ist wieder ein Schreckenstag, als
der Feind den Flankenschutz der an den masurischen Seen kämpfenden Truppen zu
durchbrechen versucht, als deutsche Granaten in die Stadt schlagen und das
Pfarrgehöft in Asche legen; als die Bewohner mit dem Leben abgeschlossen haben
und verängstigt in den Kellern sitzen. Und als dann am 5. November der 2.
Einfall der Russen erfolgt, verlassen fast alle Bewohner, bis auf etwa 12 den
Ort, um dann erst nach der großen Winterschlacht in Masuren zurückzukehren. Doch
wie sieht es in der Stadt aus? Von außen gesehen, scheint sie nicht gelitten zu
haben, wer aber seine Wohnung betritt, prallt vor Entsetzen zurück. Hatten hier
Menschen gewohnt? Alles war geraubt oder zertrümmert worden. Kaum war das
Notwendigste zu einem notdürftigen Leben beschafft, als der Winter nahte. Die
langen Abende in schlecht oder nicht geheizten Stuben sind infolge der
Lichtknappheit trostlos. Petroleum und Lichte sollen helfen, doch wenn die
Sachen nur erhältlich wären! Die Straßen liegen ständig in Dunkel gehüllt. Die
Bekleidungsverhältnisse sind unhaltbar. Aber die Stoffknappheit jener Zeit ist
in der heutigen Damenmode, wenn auch gewollt, sehr beliebt. Die Zeiten ändern
sich . . . . .
Die Volksabstimmung am 11. Juli 1920.
Als durch das Friedensdiktat die Abstimmung angeordnet war,
begann die Heimatvereinsbewegung. Die dumpfe Niedergeschlagenheit nach den
Kriegsjahren und der Gedanke: „Ach, es nützt ja alles nichts, wir sind verraten
und verkauft" mußten totgeschlagen werden. Im Bereich des
Abstimmungsgebietes entstanden 1.046 Heimatvereine und wurden mit ihren 206.313
Mitgliedern zum Masuren- und Ermländerbund vereinigt. Im Juni begann der
Aufmarsch der auswärtigen Abstimmler. Da die Heimat rief, die ihre Jugend
umsonnt hatte, kamen sie gerne, um das Land mit seinen Wäldern, Seen und Höhen
vor der Habgier des weißen Adlers zu schützen. Zu Ehren der Ankommenden prangte
die Stadt in festlichem Grün. Da flatterten die Fahnen in den alten deutschen,
preußischen und masurischen Farben und Ehrenpforten begrüßten die von nah und fern Herbeigeeilten. Der Abstimmungstag kam heran. Gluthitze lagerte schon
am frühen Morgen über der Erde. Eine starke Spannung
herrschte trotz der Sicherheit des Sieges. In einer Schulklasse wählten die
Männer und Frauen, die im Abstimmungsgebiet geboren waren und dort wohnten, in
einem anderen diejenigen, welche im Abstimmungsgebiet zwar geboren dort nicht
mehr wohnten, und in einem 3. Raume solche Personen, die, ohne im
Abstimmungsgebiet geboren zu sein, dort seit dem 1. Januar 1905 Wohnung hatten.
Jede wählende Person mußte am 10.1.1920 das 20. Lebensjahr vollendet haben.
Das Wahlergebnis unserer Stadt löste brausende Begeisterung aus. Alle Stimmen,
nämlich 1.435, waren ausnahmslos für die Heimat abgegeben worden.
Solch ein Resultat war nur möglich, weil die rechten Männer
an der rechten Stelle gestanden hatten, als es den Kampf gegen den Kleinmut zu
führen galt. Eine Volksbewegung war es, ein Siegeszug des Heimatgedankens, der
das Volk aufflammen ließ, als die rechten Worte den Weg zum Herzen
fanden und zum Schutz des Teuersten aufriefen.
Ueberblicken wir die Entwickelung unseres Gemeinwesens in den
letzten 25 Jahren, so können wir feststellen, daß unser Städtchen trotz Krieg und
Daweslasten, trotz seiner ungünstigen Lage und Abgeschiedenheit vom großen
Vaterlande, bemüht gewesen ist, im Rahmen seiner Leistungsfähigkelt vorwärts zu
kommen. Mögen ihr allezeit Männer erstehen, die ein warmes Herz für ihre Heimat
haben.
Möge Bialla in kommenden Zeiten vor Schicksalsschlägen
bewahrt bleiben und in aller Zukunft wachsen und gedeihen zum Wohle seiner
künftigen Geschlechter.
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Quelle:
Text auch abgedruckt im Chronik Sammelband Arys - Bialla - Drygallen - Groß
Rosinsko,
Selbstverlag der Kreisgemeinschaft Johannisburg / Ostpr. 1982, Seite
111-192,
Das Buch ist leider nicht mehr lieferbar. |
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