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Lyck
(polnisch Elk, ab 1905 Rbz.
Allenstein). Die nächste Umgebung von Lyck weist schon
Spuren der Besiedlung während der mittelsteinzeitlichen Jäger- und Fischerkultur
auf (8. - 6. Jh. v. Chr.). Die charakteristischen Feuersteingeräte (Messer,
Schaber, Pfeilspitzen) finden sich in den Dünen beim Rennplatze. Die Errichtung
eines »festen Hauses« durch den Komtur von Balga, Ulrich v. Jungingen, auf
einer Insel im Lycker See ist urkundlich 1398 bezeugt. Durch einen Umbau 1408 erhielt es
seine endgültige Gestalt. Wahrscheinlich haben sich bereits damals am
gegenüberliegenden Ufer Ansiedler niedergelassen, die beim Bau der Burg
Verwendung fanden. Die Entwicklung dieser Siedlung wurde durch Raub- und
Verheerungszüge der Polen und Litauer empfindlich gestört. Einen Auftrieb
erfuhr die Gemeinde durch Hochmeister Paul v. Rusdorf, der ihr am 27. Februar
1425 ein Dorfprivileg verlieh. Die junge Siedlung erhielt nach dem Fluss die
Bezeichnung »zur Licke«. Die unruhigen Zeiten in der 2. Hälfte des 15. Jhs. haben die
Stadtwerdung verhindert. - Bei der Reformation von Masuren spielte Lyck dank der
Unterstützung Herzog Albrechts eine führende Rolle. Albrecht brauchte für Masuren Geistliche, die die
masurisch-polnische Sprache beherrschten. Unter den von ihm nach Lyck berufenen
polnischen Protestanten befanden sich der aus Krakau vertriebene Joh.
Maletius und sein Sohn Hieronymus. Diese richteten bei Lyck eine Druckerei ein -
die dritte in Preußen -, wo die Bibel in polnischer Sprache und zahlreiche evangelische
Lehr- und Erbauungsschriften gedruckt wurden. Job. Maletius und sein Sohn haben
sich auch um den Aufschwung der alten Kirchschule verdient gemacht, die 1587
durch den Markgrafen Georg Friedrich zur Provinzialschule erhoben wurde. Mit der
Erfüllung ihrer Aufgabe, masurisch sprechende Knaben für das Studium der 1544
in Königsberg gegründeten Universität vorzubereiten, wurde die Lycker Schule für das
evangelische Masuren geistiger Mittelpunkt. Dieser Umstand war wiederum von größter
Rückwirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes. Schon damals galt Lyck
als das wirtschaftliche Zentrum Ostmasurens. Ein wirtschaftsfördernder Faktor war vor
allem die Grenznähe des Ortes. Die Erwerbung von Neu-Ostpreußen 1795 (3.
polnische Teilung) schaffte
Masuren ein bedeutendes Hinterland, wovon Lyck, an der Hauptstraße nach Polen
gelegen, den größten Vorteil haue. Schwere Schicksalsschläge vermochten seine
Stellung nicht wesentlich zu erschüttern. Es überstand im 16. Jh. zweimal,
1635 nochmals die Pest. Durch den Tatareneinfall und die nachfolgende Seuche
büßte es 2/3 seiner Bevölkerung ein und ging in Flammen auf. Immer wieder
gingen die Bürger mit Erfolg an den Wiederaufbau der zerstörten Heimat. Am 23. Juli 1669 verlieh der
Große Kurfürst das ersehnte Stadtrecht. Im 18. Jh. hat die Stadt ein
ziemlich bescheidenes Dasein geführt. Brandkatastrophen, die Pest 1709 / 1710,
die von 2.000 Einw. 1.800 dahinraffte, die Kriegsunruhen 1758 hatten die Stadt
und, was schwerwiegender war, ihr Marktgebiet schwer geschädigt.
Trotzdem behielt Lyck
seine Vormachtstellung in Ostmasuren, zu mal es seit 1740 in seiner Garnison ein
wirtschaftsförderndes Element ersten Ranges besaß. Durch die ständige
Anwesenheit von Soldaten, unter denen sich Angehörige aus den verschiedensten
Ländern des Deutschen Reiches befanden, erfuhr die Stadt auch einen kräftigen
Auftrieb in kultureller Hinsicht. Um die Förderung der Bildung der Bürger
machte sich besonders der General v. Günther verdient. Auf sein Betreiben wurde
auch das Schullehrerseminar - das dritte in Preußen - angelegt. 1782 hatte Lyck
1.810 Einw. - In dieser Epoche kulturellen Aufstiegs lebte der
Geschichtsschreiber Ludwig v. Baczko (am 8. Juni 1756 in Lyck geboren). Das
bedeutendste Werk des völlig erblindeten Forschers ist die sechsbändige
»Geschichte Preußens« ( 1792 - 1800 in Königsberg erschienen). Der Anfang
des 19. Jh.
brachte der Stadt mit Truppendurchzügen und Einquartierungen viel Leid mit
einer ungewöhnlichen Verschuldung im Gefolge. Der Anschluss an das
Eisenbahnnetz leitete eine lebhafte Aufwärtsentwicklung ein, der durch den
Ausbruch des ersten Weltkrieges unterbrochen wurde.
Lyck wurde Mittelpunkt der
Kämpfe im Südosten der Provinz. Dreimal war es von Feindtruppen besetzt. 165 Gebäude
waren zerstört, die verlassenen Wohnungen ausgeplündert. Nach Beendigung des
Krieges kam der gewinnbringende Grenzverkehr mit Polen in Fortfall. Auch durch
die katastrophale Lage der Landwirtschaft wurde die Stadt in stärkste
Mitleidenschaft gezogen. Die Folge war zunehmender Umsatzrückgang bei fast
allen Handels- und Gewerbebetrieben, die auf den Käufer vom Lande angewiesen
waren. Am 11. Juli 1920 bei der großen Volksabstimmung wurden in der Stadt 8.339
Stimmen für Deutschland, 8 Stimmen für Polen, im ganzen Kreis 36.534 für Deutschland,
44 für Polen abgegeben. 1925 betrug die Einwohnerzahl 15.361.

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Quellen:
Wappen:
Das Ostpreußenblatt (www.Ostpreussenblatt.de),
2000;
Foto:
10.000 Ansichtskarten, Deutschland um 1900 im Bild,
Stichwort "Lyck"
The Yorck Project, Gesellschaft für Bildarchivierung, Berlin, 2001;
Text: Handbuch der historischen Stätten Ost- und Westpreußen,
Kröner Verlag Stuttgart, 1966-1981, Seite 128 |
weitere Informationen:
Die Winterschlacht
in Masuren 7. - 21. Februar 1915;
Guttzeit: Ostpreußen in 1440 Bildern, Verlag Rautenberg, 1972-1996, Seite 71-73
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