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Gumbinnen
(russisch: Gussew, Kr. Gumbinnen). Am Zusammenfluss von Pissa und Rominte hat
der Mensch nach den Bodenfunden schon in der abklingenden Eiszeit - 9000 v.Chr. -
als Jäger, und später, wie Gräberfelder und Burgberge erweisen, in bäuerlichen
Siedlungen gelebt. Vor Ankunft der Ordensritter im 13. Jh. war durch
Klimaverschlechterung die altpreußische Nadrauerbevölkerung erheblich
zurückgegangen. Im 14. Jh. bestanden nur einige, durch Leitsleute des Ordens
festgelegte Wege nach 0sten. Erst zur Herzogszeit wird 1539 ein Siedlungskern
Kulligkehmen erwähnt, von dem sieh 1558 Pisserkeim abzweigte, das bald Kirchdorf
wurde und seit 1580 Gumbinnen (d. i. Krummdorf, an der Flußschleife gelegen) heißt.
Gegen Ende des 17. Jh. waren die Bauern in gedrückte Lage abgesunken, so dass Pestseuchen, zuletzt
1709/1710, die Gegend weithin verödeten. Unmittelbar danach begann der Aufstieg. Schon 1710 wanderten
reformierte Schweizer ein, die eigene
Prediger und 1739 eine eigene Kirche erhielten. Ihnen folgten 1712 und später
Pfälzer, Magdeburger und Nassauer, die den überlebenden Einheimischen bessere
Wirtschaftsformen brachten. Als letzte Welle kamen 1732 die protestantischen
Salzburger. Sie wahrten durch das Salzburgerhospital lange ihren Zusammenhalt;
ihre Kirche datiert von 1752. Inzwischen hatte 1721 Friedrich Wilhelm I.
Anweisung gegeben, Gumbinnen zur Stadt zu erheben. Der 24. Mai 1724 gilt als Gründungstag der Altstadt Gumbinnen, an die sich 1727 die Neustadt auf der
Südseite der
durch Dämme eingehegten
Rominte ansehloss, beide preußisch straff geordnet nach den Plänen von Joachim
Ludwig Schuitheiss v. Unfried. Ab 1723 legte der König neue Behörden nach Gumbinnen, aus
denen am 19. August 1736 die Kriegs- und Domänenkammer hervorging, die ab 1816
Königlich Preußische Regierung genannt wurde. Die Einwohnerzahl stieg seit Gründung der
Kammer von 2.082 im Jahre 1738 auf 21.588 im Jahre 1937 nach den Eingemeindungen.
Als bedeutende Präsidenten wirkten Joh. Fr. v. Domhardt ab 1757, der Stadt und
Bezirk Gumbinnen ohne große Verluste über die Russenzeit 1757-1762 hinwegbrachte, und
Theodor v. Schön 1809-1816, der maßgebend die Erhebung gegen Napoleon mit
vorbereitete, neuzeitliches Schulwesen förderte und Schöpfer der 1812 gegründeten
Zeitung »Intelligenzblatt für Litauen« war. Seit 1832 erschien in Gumbinnen die
Zeitschrift »Georgine«, das Organ des 1821 gegründeten Landwirtschaftlichen Zentralvereins.
Nach dem Anschluss an das Eisenbahnnetz am 4. Juni 1860 entwickelte sieh
der Behördensitz Gumbinnen weiter zur Schul- und Garnisonstadt mit den erforderlichen
Industriebetrieben. Gumbinnen galt als »Salzburgerstadt«, weil der Salzburger
Menschenschlag Aussehen und Art der Bevölkerung weitgehend bestimmte. - Im
Kriege 1914 wurde im Raume Gumbinnen am 18./19. August die erste größere
Schlacht im 0sten geschlagen, die trotz örtlicher Erfolge gegen russische
Übermacht abgebrochen werden musste. Der erste Heldenfriedhof bei Mattischkehmen zeugte von den
Opfern. Auch im Zweiten
Weltkrieg war die Umgebung von Gumbinnen Schauplatz
erbitterter Kämpfe, die ihren Brennpunkt vom 21.-23. Oktober 1944 in der
Panzerabwehrschlacht südlich der Stadt hatten. Der Einbruch der Russen in
Ostpreußen wurde dadurch gehemmt, so dass bis Januar 1945 eine Schutzfront
gehalten werden konnte. Am 21. Januar 1945 ging das erheblich zerstörte Gumbinnen nach
hartem Kampf verloren.

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Quellen:
Wappen:
Das Ostpreußenblatt (www.Ostpreussenblatt.de),
2000;
Foto: 10.000 Ansichtskarten, The Yorck-Project, Berlin,
Stichwort:
"Gumbinnen", 2001;
Text: Handbuch der historischen Stätten Ost- und Westpreußen,
Kröner Verlag, 1966-1981, Seite 76-77 |
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