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 Angerburg (polnisch: Wegorzewo, Kr. Angerburg). Am Nordende der
großen rnasurischen Seenkette überquert eine uralte Ost-West Straße von Sudauen
ins Bartener Land den Nordausfluß,
die Angerapp wie mehrere vorzeitliche Gräberfelder anzeigen.
Der Ritterorden errichtete um 1335 unter dem Hodimeister Dietrich v. Altenburg hier auf
einer Flußinsel ein Wildhaus, das die Litauer unter Kynstut 1365 zerstörten.
Der erneute Aufbau in Stein erfolgte 1398 etwas weiter landeinwärts. Um 1450 war
neben der Burg eine kleine Ansiedlung entstanden, die nach Rückschlägen 1514 eine
neue Verschreibung unter dem Namen Neudorf erhielt. 1528 wurde die erste Kirche
in Holz erbaut, um 1560 der Mauersee für die Schloßmühie zu seiner jetzigen Höhe
aufgestaut, und am 4. April 1571 Angerburg zur Stadt erhoben. Seit 1611 zählt der
steinerne Ausbau der später mehrfach vergrößerten Kirche. Im 17. und 18. Jh. hinderten
Kriege, Festseuchen und verheerende Brände das Gedeihen der Stadt. Der 1703 formierten
Bürgerkompanie folgten 1718 Kürassiere vom Regiment v. Katte. Der herrische General
bedrückte Rat und Bürger, sorgte aber für einen neuen Markt, Kasernen und die sogenannte
Wasserkunst, die fließendes Wasser lieferte. Das 19. Jh. brachte Städteordnung und
Gewerbefreiheit, doch hemmten 1831 Cholera und danach Teuerungsjahre den Fortschritt.
Nachdem mehrere Versuche, die Angerapp schiffbar zu machen, fehlgeschlagen waren,
wurde 1845 der Plan, eine Verbindung von Johannisburg
nach Angerburg zu schaffen, wieder aufgenommen und bis 1857 durchgeführt. Am. 3.
September 1856 legte das Dampfschiff »Masovia« von
Lötzen kommend zum ersten Male in Angerburg
an. Der Masurische Kanal, der den Mauersee mit der unteren Alle verbinden sollte,
ist trotz wiederholter Bauansätze nie fertig geworden. 1908 regelte man den Wasserstand
der großen Seenkette einheitlich auf 116 m über NN. Die Stadt Angerburg erwarb sich
durch das seit 1880 entstandene Siechen- und Krüppelheim, die »Wohltätigkeitsanstalten
Bethesda«, einen guten Ruf. In der Schlacht an den masurischen Seen vom 8.-11. September
1914 spielten sich im Raum westlich und östlich von Angerburg harte Kämpfe ab. Zum
Gedenken entstand einer der würdigsten Gefallenfriedhöfe in Jägerhöhe, oberhalb
des Schwenzaitsees mit beherrschendem Fernblick. Der Schwenzaitsee selbst entwickelte
sich nach 1920 zum Hauptplatz für den aufblühenden Eissegelsport. - Im Zweiten
Weltkrieg ging Angerburg am 25. Januar 1945 an die Russen verloren und liegt
heute im polnisch verwalteten Gebiet. Die Einwohnerzahl betrug 1756 ohne Militär
1.779, im Jahre 1937 fast 10.000, genau 9.577. - Angerburgs bekanntester Sohn, der
Probst Georg Andreas Helwing (1666-1748), wurde als Heimatschriftsteller und anerkannter
Botaniker Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften. In Angerburg begraben
ist der Amtshauptmann Hans Georg v. Auer, der 1656 während des
Tatareneifalls mit seinen Dragonern
erfolgreichen Widerstand leistete.
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Quellen:
Wappen: Das Ostpreußenblatt (www.Ostpreussenblatt.de),
2001;
Text: Handbuch der historischen Stätten Ost- und Westpreußen,
Kröner Verlag Stuttgart, 1966-1981, Seite
4-5;
Foto: 10.000 Ansichtskarten, The Yorck-Project, Berlin,
Stichwort:
"Angerburg", 2001;
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weitere Informationen:
Guttzeit: Ostpreußen in 1440 Bildern, Rautenberg, 1972-1996, Seite 40-42, 503-508
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